Freitag, 29. Mai 2009

Die Literatur im Verschwinden?

Hier ein Zeuge dafür.

Wenn aber die Marktförmigkeit von fast allem und jedem die quasi evolutionäre Form der Dinge und der kulturellen Formate geworden ist – und was ermöglicht sie uns nicht alles: "Den ganzen Kafka für eine Packung Kaffee" - muss man dann nicht auch das Verschwinden des Nicht-Marktgängigen verschmerzen können?

Die Wirklichkeit ist doppelzüngig wie die Literatur.

 

Freitag, 3. April 2009

Noch einmal Effi Briest

Noch einmal Effi Briest.


Für Interessierte hier einmal ein paar Bemerkungen des Sprechers über das Mitschöpfen des Textes mittels lautem Lesen: Zur Tatsache, dass - und wie sehr! - ein Text stets ein bewegliches, ein zu verlebendiges Gewebe sein kann, dessen Tiefenschichten nicht ohne Weiteres zur Verfügung stehen.

Dazu gibt es einige Hörproben.

Außerdem ein paar der Verbildlichungen der zeitgenössischen Figur, an der Fontane sich beim Schreiben seines Sittenbildes, das dann doch ein Zeit und Bestand gewinnendes „Menschenbildnis“ wurde, orientierte.

 

Freitag, 20. März 2009

Apropos E-Book

Die Nachricht sollte ja auch bei nur peripher Interessierten jetzt einigermaßen durch sein : Seit dem 11. März gibt es offiziell den Sony PRS-505, einen eReader zu erwerben, auf dem ein mobiles, angenehm flimmerfreies (E-Inkdisplaytechnik), ausdauerfreundliches (Akku-Power wird nur beim „Umblättern“ benutzt und soll für mindestens 10 dicke Bücher reichen) Lesen ganzer Bibliotheken möglich sein soll. Einen guten Überblick über Handhabung (und praktische Grenzen) gibt es hier.

Leider ist der Preis – zumal im Vergleich mit Geräten, die mehr Funktionen und Schnittstellen und Speicher besitzen – etwas zu hoch; und eine modernere Nachfolgeversion ist auch schon annonciert. Dafür sind mit diesem Reader diverse Formate ladbar und lesbar und überhaupt muss man wohl alles schon als einen Fortschritt werten gegen das rigide, seine Marktmacht ausspielende Kindle von Amazon, mit der man doppelt und dreifach eingeschränkt ist. (Und immer auch bei bisschen dummgehalten... bzw. unbelästigt, also bequem wie bei Apple.)


Wesentlicher ist aber vielleicht überhaupt der ominöse Content. Nachdem diesmal mehrere Plattformen als Tankstellen für Leseware früh dabei sein wollen, soll dafür gesorgt sein, dass von der Sellerliste bis zu Abseitigkeiten aus den Nischen alles verfügbar sein wird. Doch an hört, reagieren große, aber wichtige Verlage (Rowohlt, Fischer, Suhrkamp und weitere) noch einigermaßen zögernd, ist das mit der unterschrittenen „Preisbindung“ beim Wegfall von Holz & Druckfarbenkosten noch nicht ausdiskutiert und wird wohl auch die Angst vor dem Diebstahl geistigen Eigentums noch eine erhebliche Rolle spielen. So schnell ereignen sich Paradigmenwechsel nicht. (Und das Gerätchen ist auch so neu nicht.)

Und warum auch alles überstürzen? Wieder wird es dauern, bis man wirklich weiß, wie die User das alles annehmen; erfahrungsgemäß sind da noch etliche Überraschungen zu erwarten. Es wird sein, wie anderswo auch: Klügere, schnellere Communities werden sich bilden und ein Insiderwissen zu teilen anbieten, das für die Verlage noch gar nicht absehbar ist, und noch anderweitig eine erhebliche Rolle spielen, die die bisherigen Beteiligten am Buchmarkt noch alle überraschen werden. Und nebenher wird sich ein weiterer Verwertungskanal öffnen und nach und nach wachsende Abnehmer finden, die anderswo fehlen.

Worum es geht, ist anscheinend erst mal wieder ein Geschäftsmodell, statt um Content oder Technik oder gar eine Veränderung der Lesekultur – hier wird wieder einmal versucht, durch ein Gerät, ein Gimmick letztlich, etwas zu lancieren, dass dann viel tiefgreifender wirken wird, als es sich ökonomisch runtergebrochen denken lässt. Wir Zauberlehrlinge!


Hier noch eine klügere Stellungnahme, nach all den Branchenorakeln zur Erfrischung mal von einer Schriftstellerin.

Auch Onomato wird sich weiter mit dem Thema beschäftigen.

 

Donnerstag, 26. Februar 2009

Effi Briest

Hier: Hinweis auf eine zweite Veranstaltung (nach der vom 09.03.2009) in der Reihe „mit anderen Augen“

EF-mit-anderen-Augen

Am 13.03.2009, um 20:00h findet statt:
Effi Briest – ein Abend mit Lesung, Vortrag und Gespräch
Einzelne Motive aus der Sicht eines Vorlesers – Vortrag und Gespräch von / mit Axel Grube


„Das wiederholte Laut-Lesen einer Erzählung ruft eine besonders intensive Beschäftigung mit ihr hervor. Axel Grube trägt einige Abschnitte des Romans vor, und erläutert dabei Motive, die, leicht über-lesen, möglicherweise erst in dem wiederholten und sowohl reflexiven wie sinnlichen Laut-Lesen zur Wahrnehmung kommen mögen – und stellt sie zur Diskussion.“

Dazu gibt es eine kleine Ausstellung: Bild einer Frau
Die Bilder der Buchcover und der Schauspielerinnen werden kurz dargestellt und geben Gelegenheit über die Variationen des Effi-Briest-Bildes und des Frauen-Bildes zu sprechen.

Bezugnahme
Bildende Künstlerinnen und Künstler nehmen mit ihren Arbeiten Bezug auf einzelne Motive des Romans (mit anschließendem Gespräch). Moderation: Katharina Meyer

Ort: ‚artsfactory’ Iris Zogel, Düsseldorf – Pempelfort, Bagelstraße 95a, Eintritt frei.

Ausführlichere Version hier.

(Aktualisiert am 10.März 2009)

 

Mittwoch, 18. Februar 2009

Die ersten zwei Neuvorstellungen unseres Frühjahrsprogramms

Unsere ersten zwei Hörbuch-Neuerscheinungen für dieses Jahr möchten wir heute kurz vorstellen.

Die erste ist eine Volltextlesung Effi Briest von Theodor Fontane; Laufzeit gesamt: 13 Stunden, 40 Minuten, 14 CDs in 2 Schmuckschachteln für Euro 58,80.
(Es gibt diese Lesung auch als Sonderausgabe im mp3-Format bei jokers für 9,99 €.


EF-Cover-klein

Der früher manchem leidig gewordene Schultext scheint immer noch seine eigenen Brisanzen zu haben. Und wären es nur die einer tatsächlich feinsinnig abgewogenen, zeitlos kunstvollen Literatur, die eine eigene, längst wie separierte Welt aufzurufen vermag – aber noch längst nicht von uns überkommenen Gedanken.

Vielleicht nicht ganz zufälliger Weise kommt auch gerade mal wieder eine Neuverfilmung in die Kinos, diesmal in angeblich "emanzipatorischer" Interpretation. (Aber was heißt das, einen Stoff vermeintlich zu modernisieren – die junge Frau am Ende nicht an den Verhältnissen sterben, sondern sie ein selbstbestimmtes Leben führen zu lassen –, aber den Aufwand an Werktreue dann bei den Kostümen zu treiben? Was ist da Effekt? Und sind unsere Leben heute, in ganz anderen Korsetten nund Scheinfreiheiten, tatsächlich selbst-bestimmter? Und kann man sich solche kanonisch gewordenen Werke einfach unter den Nagel des angeblich Neueren reißen? Usw. Trotz der wunderbaren Julia Jentsch in der Rolle der „Effie“, wirft ein solches Vorgehen zu viele Fragen auf, die erst einmal auf Kosten des Werks gehen, und es hat etwas von Vereinnahmung und sogar Willkür.)

Wir bleiben da, eben bei solch einem durchgearbeiten, aus heutiger Sicht doch allein schon durch die vergangene Zeit auch wieder viele Unbekannte in sich bergenden Text, lieber bei dem Versuch der Annäherungen an eher ursprüngliche Lesarten, deren Genie sich durch die Zeiten behaupten konnte – Freiheiten der eigenen Anklänge in eienm solchen Text und seinen Interpretationen gäbe es da genug. Vielleicht wären gar eben diese Unbekannte, aus heutiger Sicht, der mögliche Gewinn, mit dem man nicht allzu beliebig umgehen sollte.

Man muss sich ja schon länger fragen, ob nicht eben die oft ins Beliebige getriebene Ausbeutung der Texte sie mit der Zeit doch auch wesentlich schwächt statt ihren Kern mit der Entfernung für uns befragbarer hält. Sicher: gewohnt, alles in einem Kultur-Supermarkt zur Verfügung gehalten zu bekommen, laden die Texte – copy & paste - für ihre Einvernahme ein und das wäre eben hinzunehmender Teil ihres Nach-Lebens.

Andererseits könnte man mittels ihnen, mittels einer gewissen Schwergängigkeit auch der Texte, einer Sperrigkeit, die als eine Qualität anzusehen wäre, auf das bestehen, was dem schnellen Umschlag von allem und jedem einen gewissen Widerstand entgegen zu bringen hilft. Der Mehrwert eines Kanons bestünde ja eben in dessen mit eben der Zeit gewonnenen Gewissheiten, von denen aus man gewisser, "angereicherter", auf andere, oft mindere Dinge schauen kann.

Immerhin sagt es Julia Jentsch selber in einem Interview über die Effie: „Eine Figur, die das Nachfragen fordert, wo das Nachfragen auch lohnt.“


Wir arbeiten noch an den Hörbeispielen für Sie! Links demnächst wieder hier!





Das zweite Hörbuch ist
franz josef czernin: das labyrinth erst erfindet den roten faden
einführung in die organik
(Eine Textauswahllesung vom Autor).
1 CD, für 22,80 € in der handgearbeiteten Schmuckschachtel, alternativ in unserer Höfheft-Reihe für 9,80 €.


Den Untertitel, "einführung in die organik" könnte man wörtlich nehmen - und auch wieder nicht. Die Organik wäre hier das als Ebene (Paradoxe, Metaphern und Metonyme, Widersinnigkeiten und Übersprünge der Sprache, sowie all das, etwa durch den als Bezug vorkommenden Kafka, uns Vorgewebte), was als Lebendiges sich permanent untergründig in der Sprache und als aus ihr Geschöpftes bewegt, damit ein Höheres - "Leben", Denken - erst entstehe.

Die wunderbaren Sätze Czernins, die schon als einzelne rasch ins Unüberschaubare der mit ihnen möglichen Ab- und Umwegzündungen von Gedankenführungen verleiten können, verweben sich hier mit der Zeit des Zuhörens in eben die vieldimensionale Komplexität, die das grundlegend Labyrinthische aller Bewegungen in Sprache, Denken und Lesen (Leben) bedeuten kann: Als eine auch spielerisch anzunehmende Herausforderung. Denn wenn man um die Fäden weiß, kann man ihren kurz rot aufleuchtenden Vorkommen sozusagen unwillkürlicher ein Stück folgen... um sie dann auch wieder abreißen und sich neu verweben zu lassen. Man bleibt per se im Labyrinth. Es verleitet aber auch zum Schaffen eines "Garns" hin zu den kaum überblickbaren Mustern.

Das ist einer der Gedanken, die einem kommen kann: Bleibt alle Ordnung nicht wahnhaft? Wir wünschen uns heute vielleicht kaum mehr, als Überblick und Eindeutigkeiten. Gleichzeitig spüren wir: Die Angebote, die uns da gemacht werden – in der Unterhaltung, in Religion und sowieso der Politik -, müssen uns schon verdächtig sein wegen ihrer „Unterkomplexität“. Denn längst orientieren wir uns in vielschichtiger komponierten und verzahnten Mustern. Pattern Recognition – das ist eine der tiefen-implementierten Aufgaben unseres Gehirns.

Aus der Mathematik weiß man, dass kein System vollständig heraus sich selber beweisbar ist. Wie, wenn das immanente Chaos jeder Sache, ihr labyrinthisches Moment, eben eines zur besseren Übersicht gern angenommenen Außerhalbs der Systeme wäre? Permanent bilden wir Sinn und seine Vewebungen, als gehörten wir nicht selber als Zwischenstücke, als deren missing links, da hinein. Als solche könnten einem die Faden also auch erscheinen (das dachte jedenfalls ich während des Zuhörens) - und jeder einzelne wäre also selber ein loses Ende eines neuen Irrtums wie eines anderen Findens. Und – falls das hier nicht zu kalauerhaft erscheint - verleitet Czernin derart nicht fast zu so etwas wie einer „String-Theorie“ der Subströme von Literatur?

So mag es anfangs überfordernd sein, das Lose der Fäden im auditiven Cortex zu halten, um sie im Großhirn wie im Nebenbei zu führen und sich derart daran entlang zu hangeln und zu führen und verführen zu lassen: Das Hören (das Denken, das Lesen) leuchtet sich irgendwann, heraus eben einem Unüberschaubaren, und d.h. letztlich nicht in irgendeine reduktionistische Ordnung zu Führenden, selber ein. Alles ist immer schon gegenwärtig, zumindest latent da.

Man kann hier etwa an die Ordnung(sversuche) Hegels denken: Die Organismen, die geologischen, vegetabilischen und animalischen, zeugen sich fort in dem, was sie auslesen und was sie als Ausgelesene eines per se Labyrinthischen zur kurz wie sinnhaft verbundenen Erscheinung bringt. Das Labyrinth aber, das Unabgeschlossene der Auslesungen wie ihr Unabsehbares für unsere Orientierungen wären unser Gewinn.

Wir arbeiten noch an den Hörbeispielen für Sie! Links demnächst wieder hier!

Zum Verlag hier.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Eine andere Art Meeresrauschen...

Lärmschutz für Ozeane?

 

Montag, 5. Januar 2009

Statement

Wir haben uns entschlossen, unser Verlagsblog „offener“ zu führen.

Es geht uns hier nicht um Werbung für uns, sondern um das Anschließen an einen gleichsam diversifizierteren Diskurs, da wir auch unsere Themen für anschlussfähig halten:
  • Literatur,
  • die Stimme,
  • orale Überlieferung,
  • die offenen Quellen, aus der alle Kultur schöpft...
  • sowie die Autoren, Denker und Künstler, die unseren Veröffentlichungsschwerpunkt bilden wie die, wir im Laufe der Zeit schätzen gelernt haben. Und dazu außerdem die Belange des Marktes und Verwandtes alles Sonstige im Bezug darauf.
  • Man muss auch unsere Produkte nicht kennen oder schätzen, um auf die Vielfalt eben der "Stimmen" einzugehen, sie zu hören oder ihnen zu antworten, um die es uns geht.

    Wer mehr wissen will, findet uns hier.
    Korrespondenten, Kommentatoren, Kritiker... sind herzlich eingeladen.

            ***



    Vielleicht zum Beginn mal eine Kritik... und zwar der Berliner Literaturkritik zu unserem Buch

    Felix Weltsch „Humor und Religion im Leben und Werk Franz Kafkas“

    onomato Hörbuch - Verlag & mehr

    "die ganze Welt auf der Spitze der Zunge"

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